Langen Foundation

architekt: Tadao Ando

typologie: privatsammlung

baujahr: 2002

interview partner: Karla Zerressen

Beschreiben Sie kurz Ihren Ausstellungsraum.

Bei der Langen Foundation handelt es sich um einen Bau des japanischen Architekten Tadao Ando. Umschlossen von Feldern und Wiesen, befindet sich das Gebäude an einem besonderen Ort: Bei dem Areal handelt es sich um eine ehemalige NATO Station, welche vornehmlich im Kalten Krieg genutzt wurde. Es lassen sich noch Gebäudestrukturen aus dieser Zeit entdecken, welche heute ebenfalls als Kulturraum von der Raketenstation Hombroich genutzt werden.

In diesem historischen Spannungsfeld entwickelt das von Ando gestaltete Gebäude selbst eine bsondere Ruhe. Eine Kernstruktur aus dem für den Japaner ikonischen Sichtbeton trifft auf eine äußere Glasummantelung, die den Besucher*innen im Gebäude die Natur außen sichtbar macht. Dem Haupteingang vorgelagert befindet sich eine Wasserfläche. Lang gestreckte Gänge führen langsam in das Innere des Gebäudes: zwei großzügige Ausstellungsräume.

Wie ordnen Sie die Qualität Ihrer Ausstellungsräume hinsichtlich des Grundrisses und der Lichtführung ein?

Das Gebäude wurde primär als Museum konzipiert und bietet so eine sinnvolle Infrastruktur zur Realisierung von Ausstellungen. Im Bau sind Bereiche angelegt, die eindeutig als museale Präsentationsfläche dienen und wiederum Wege, die diese Bereiche verbinden. Diese sich lang erstreckenden Gänge entlang der Sichtbetonstruktur bringen die Besucher*innen durch Glasflächen mit der Umgebung des Gebäudes in Kontakt und scheinen eine Art Rhythmus vorzugeben.

Demgegenüber bieten die zwei großen Ausstellungsräume des Hauses durch eine rechteckige Form und weiße Wände weniger visuelle Impulse und schaffen eine nüchterne Umgebung zur Präsentation von Kunst. Durch Fensterflächen in der Decke werden die Ausstellungsräume durch Tageslicht erhellt. Somit entsteht innerhalb des Gebäudes zunächst eine einheitliche Lichtsituation, die wiederum je nach Bedarf abgedunkelt werden kann.

Inwiefern spielt die Entstehungsgeschichte der Räume eine Rolle bei der Kuration?

Es lassen sich zwei Aspekte der Entstehungsgeschichte nennen, die sich auf die Kuration von Ausstellungen in der Langen Foundation auswirken können.

Zunächst die geographische Lage und die Verortung auf dem Gelände einer ehemaligen NATO Basis: Diese Gegebenheit kann sich in einigen Fällen auf die konzeptuelle Ausrichtung einer Ausstellung auswirken. Im konkreten Fall der bis zum 06. August 2023 laufenden Einzelausstellung von Julian Charrière wurde dieser Aspekt von den Kurator*innen und dem Künstler mitgedacht: Die Ausstellung mit dem Titel Controlled Burn befasst sich unter anderem mit den Auswirkungen menschlichen Handelns auf den Planeten und präsentiert als Herzstück ein Video, das einen Drohnenflug durch ein Feuerwerk auf einer Ölbohrplattform zeigt.

Des Weiteren ist bei der Ausstellungskuration auch der Umgang mit dem von Tadao Ando gestalteten Gebäude und ein Wissen über Andos Philosophie besonders relevant. Marianne Langen, Gründerin der Langen Foundation, bezeichnete das Gebäude als „großes Kunstwerk“. Andos Umgang mit Form, Material und Licht führt zu einer nahezu skulpturalen Anmutung der Räumlichkeiten. So tritt die präsentierte Kunst an vielen Stellen im Haus in einen direkten Dialog mit der Architektur. Eine besondere Chance, die jedoch oftmals kuratorischer Lösungen bedarf.

Welche Herausforderungen stellen Ihre Räume an Sie? Wie gehen Sie mit diesen um?

Zunächst lässt sich die Erhaltung des Gebäudes als zentraler Aufgabenbereich nennen. Vor allem die Durchführung präventiver Maßnahmen, sowie die Erstellung von nachhaltigen Konzepten liegen im Fokus des Teams.

Teil der Langen Foundation ist eine umfangreiche Sammlung Ostasiatischer Kunst ab dem 12. Jahrhundert, die von der Gründerin Marianne Langen und ihrem Ehemann Viktor Langen zusammengetragen wurde. Die Präsentation dieser Stücke ist ein zentrales Anliegen. Dennoch sollen gleichzeitig Ausstellungen mit zeitgenössischen Positionen ausgetragen werden und eine Balance entstehen. Es gilt in den Räumen Möglichkeiten zu schaffen, wie die Sammlung in einen Dialog mit der zeitgenössischen Kunst tritt und beides wiederum im Bau von Ando funktioniert.

Welche Rolle spielt räumliche Flexibilität in Ihren Kurationen?

Obwohl die Architektur in besonderer Weise identitätsprägend für die Langen Foundation ist und auch Teil des Erlebnisses der Rezipient*innen ausmacht, bietet das Gebäude dennoch Flexibilität, Werke weitestgehend isoliert von dem architektonischen Kontext zu präsentieren. Wie bereits erwähnt, ergeben sich Bereiche, in denen die Architektur von Ando zwingend mitgedacht werden muss. Die größeren Museumsräume ermöglichen jedoch durch viel weiße Wandfläche Optionen, Werke den architektonisch-ästhetischen Gegebenheiten zu entziehen. Somit spielt eine gewisse Flexibilität eine Rolle für kuratorische Überlegungen in der Langen Foundation. Der Dialog mit der Architektur ist jedoch auch ein besonderer Aspekt diese Ortes und er wird gerne eingegangen.

 
Zurück
Zurück

Sammlung Philara

Weiter
Weiter

Schmela Haus