Sammlung Philara

architekt: Sieber Architekten

typologie: privatsammlung

baujahr: 2017

interview partner: Julika Bosch

Beschreiben Sie kurz Ihren Ausstellungsraum.

Die Sammlung Philara ist ein öffentliches Ausstellungshaus für internationale Gegenwartskunst. Ansässig in einer ehemaligen Glaserei im Stadtteil Düsseldorf-Flingern werden auf 1.700 qm Einzelausstellungen und thematische Gruppenausstellungen sowie die Sammlung Gil Bronners präsentiert.

Wie ordnen Sie die Qualität Ihrer Ausstellungsräume hinsichtlich des Grundrisses und der Lichtführung ein?

Der Ausstellungsbereich gliedert sich in eine große Haupthalle mit einem Vortragsbereich, eine permanente Installation von Justin Lowe & Jonah Freeman, zwei größere Ausstellungsräume und sechzehn Kabinette auf insgesamt zwei Etagen. Zusätzlich beinhaltet die von Sieber Architekten umgebaute und zweifach prämierte Architektur eine 500 qm großen Skulpturengarten sowie ein mit Kunstwerken ausgestattetes Café. Die Mehrheit der Räume hat eine außergewöhnliche Raumhöhe von bis zu 5 Metern (sowie 9 Metern in der Haupthalle) und stimmungsvollen Lichteinfall, wiederum andere Räume sind niedriger und eignen sich besonders für die Präsentation von Videoinstallationen.

Inwiefern spielt die Entstehungsgeschichte der Räume eine Rolle bei der Kuration?

Im Zuge der Recherche zur Ausstellung Breathing Water, Drinking Air suchten wir neben ungewöhnlichen Orten für die Installation von Kunstwerken auch nach den metaphorischen Grenzen, Rändern und der Entstehungsgeschichte des Hauses. Zur selben Zeit schenkte zufällig ein Verwandter der Lennarz-Familie unserem Hausmeister, der selbst 40 Jahre lang in der Glaserei arbeitete, eine Kopie einer Radierung aus dem Jahr 1923, welche den Großhandel und die Glaslager zeigt. Wir haben das zum Anlass genommen, diese Abbildung im Eingangsbereich zu präsentieren und werden darüber hinaus 2025 mit einer Glas-Ausstellung an die Gründung der Gläserei im Jahr 1875 erinnern. Auch das Café Glas Lennarz verweist mit seinem Namen auf die Geschichte des Hauses, denn hier befand sich früher die Schleiferei.

Welche Herausforderungen stellen Ihre Räume an Sie? Wie gehen Sie mit diesen um?

Die räumliche Abfolge impliziert gelegentlich eine Kontinuität oder Relation in der Abfolge der ausgestellten Arbeiten. Das kann hilfreich sein, aber auch zusätzliche Parameter aufgeben. Jeder Raum wird exakt durchgeplant, obwohl wir im Vergleich zu anderen Ausstellungshäusern und deren Raum- und Quadratmeteranzahlen ein extrem kleines Team besitzen.

Die Kabinette mit hohen Wänden eignen sich beispielsweise besonders für einzelne Arbeiten, kleinere Werkgruppen oder Rauminstallationen, wohingegen in den größeren Räumen eine Serie oder Arbeiten mehrere Künstler*innen von Vorteil sind.

In der Ausstellung Breathing Water, Drinking Air haben wir uns die Parameter der Ausstellungsräume insofern zum Vorteil gemacht, als wir mit der räumlichen Enge im Untergeschoss das Leitmotiv des Wassers fokussierten. Im lichten Obergeschoss, das auch räumlich nah an der Dachterrasse liegt, hingegen sind Arbeiten ausgestellt, die Lebewesen in der Luft in den Blick nehmen. Uns war außerdem aufgefallen, dass viele Besucher*innen nicht wussten, dass auch eine Dachterrasse mit Skulpturen zur Ausstellung gehört. So haben wir zu der Ausstellung auch Petrit Hlilais akustische Arbeit Friends of Birds installiert, in der Freund*innen des Künstlers Tierstimmen imitieren, die nun viele Besucher*innen in den Skulpturengarten locken.

Welche Rolle spielt räumliche Flexibilität in Ihren Kurationen?

Eine große! Es ist sicherlich ein Merkmal von Philara, dass der Ausstellungsraum im Hinterhof eine so verschachtelte und vielseitig nutzbare Architektur auf 1.700 qm bereithält. Mit dem Industriekran in der Haupthalle haben wir schon viele Kunstwerke auf unterschiedliche Weise inszenieren können. Mit dem Wechsel der Ausstellungen zwischen der Haupthalle, den größeren Ausstellungsräumen oder einer Gruppe von Kabinetten ist es uns möglich, die Laufrichtungen immer wieder zu verändern und mit kleinen Eingriffen in den Durchgängen oder durch Farbgestaltung neue Rundgänge zu schaffen. Die Flexibilität der Haupthalle für interdisziplinäre Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Konzerte, Talks und Symposien, die hier jährlich stattfinden, kann allerdings auch zur Herausforderung für die Ausstellung werden, wenn beides parallel oder in kurzen Abständen vereint werden muss.

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